Geschichte

Die Stiftkirche in Backnang

Die Stiftkirche in Backnang

Die Kirche auf dem Burgberg war die erste Grablege der Markgrafen von Baden.

  • 1116 Papst Paschalis II. stellt das Augustinerchorherrenstift bei der Kirche St. Pankratius in der villa Backnang unter päpstlichen Schutz. Darum gebeten hatte Markgraf Hermann I. von Baden.
  • 1122 Bischof Bruno von Speyer bezeugt, dass Hermann und seine Gemahlin Judintha die Kirche mit Pfründen und Zehnten begabten; diese wird nun dem pfarrkirchlichen Gebrauch entzogen, die pfarrkirchlichen Rechte werden auf die neu erbaute, von Bischof Ulrich von Konstanz geweihte Kirche St. Michael (Stadtkirche) übertragen, die aber 1160 dem Stift inkorporiert wird.
  • 1235 Das Stift wird unter Markgraf Hermann V. während einer Fehde am 26.3.1235 zerstört, wobei der Propst und die meisten Stiftsherren getötet werden. Nach dem Sieg lassen die Söhne Hermanns V. (Hermann VI. und Rudolf I.) die Kirche bis im Sommer 1246 wieder aufbauen.
  • 1304 Backnang samt der Schirmvogtei über das Stift geht von den Markgrafen von Backnang an das Haus Württemberg über. Dies war die Voraussetzung der 1534 ff. durchgeführten Reformation.
  • 1477 Das Augustinerchorherrenstift wird in ein weltliches Kollegiatstift verwandelt.
  • 1537 Die Kirche wird der evangelischen Kirchengemeinde überlassen. (1548-52 während des Interims und 1635-48 wieder katholisch).

Baugeschichte

Sternnetzgewölbe der Stiftskirche Backnang

Sternnetzgewölbe der Stiftskirche Backnang

  • Der Bau des frühen 12. Jh. war eine querschifflose Basilika, deren Chorseitentürme erhalten sind. Der Baustil ist beeinflusst von St. Peter und Paul auf der Reichenau (Niederzell).
  • Um 1500 Die gesamte Ostpartie wird unter Propst Petrus Jakob von Arlun umgebildet: sternnetzgewölbter Chor (1504); neues Chorgestühl (1508). Richtung Murr/Freithof wird am Chor ein zweigeschossiger Anbau errichtet. Unten war die Sakristei, oben die Bibliothek heute: Kinderkirchraum), beide netzgewölbt.

    
Netzgewölbe

  • 1577 Die beiden hochromanischen Türme werden in voller Höhe miteinander durch einen Zwischenbau verbunden.
  • 1693 Kirchenbrand: Die gesamte Kirche brennt aus. Nur die gewölbten Räume bleiben erhalten.
  • 1697 Das Langhaus wird in voller Breite errichtet (unter Matthias Weiß). Der einstige Lettner wurde entfernt.
  •       In den folgenden Jahrhunderten werden hauptsächlich Emporen gebaut und abgerissen.
  • 1848 - 1849 Größerer Umbau der Stiftskirche. Die Kirche erhält u. a. Emporen und die Kanzel sechs vorhandene Figuren aus der Zeit um 1700.
  • 20. Oktober 1895 Weihe der erneuerten Stiftskirche nach der Renovierung durch H. Dolmetsch (neue Orgel von E. F. Walcker, Ludwigsburg).
  • 12. November 1915 Die Stiftskirche erhält Gasbeleuchtung.
  • 4. Juni 1921 Die Orgel in der Stiftskirche erhält ihre Zinnpfeifen wieder, außerdem elektrischen Antrieb.
  • 3. Dezember 1921 Stiftskirche erhält Vater-unser-Glocke auf dem südlichen Turm.
  • 24. Juni 1926 Die Orgel der Stiftskirche erhält ein Schwellwerk.
  • 1927 Erneuerung der Chorfenster der Stiftskirche.
  • 10. Dezember 1929 Die übriggebliebenen Choremporen werden entfernt die Orgel wird auf die Westempore verlegt die Gebeinde der Markgrafen werden entdeckt und in die neugestaltete Krypta verlegt.
  • 1956 Innenumbau, neue Bänke für das Kirchenschiff.
  • 1973 Umfassende Außenerneuerung mit Instandsetzung der Chorstrebepfeiler.
  • 15. Februar 1986 Rückkehr der nach dem großen Stadtbrand von 1697 vom damaligen Bürgermeister Johann Michael Denzel gestifteten und 1785 neu gegossenen Abendmahlskanne an die Stiftskirche. Die vom Backnanger Zinngießer David Höchel dem Älteren gefertigte Kanne galt als verschollen. Sie konnte mit Hilfe von Spenden aus der Gesamtkirchengemeinde aus Holland zurückgekauft werden.

Die Sakristei

Die Sakristei der Stiftskirche in Backnang

Die Sakristei der Stiftskirche in Backnang

Führung

Nördlich an der Westkante oben sieht man einen Gedenkstein von 1697, südlich vor der Westkante unten einen von 1913-14. An der nördlichen Schiffswand zwei stark verwitterte Grabsteine des 15. und 16. Jh., einer wird wegen des eingeritzten Beiles auf einen beim Bau verunglückten Zimmermann gedeutet.
Bevor man in die Kirche geht, sollte man den nahen Stadt(kirch)turm, der die Glocken der Stiftskirche trägt, betrachten. Er wurde Mitte des 13. Jh. als Chorturm erbaut, von Heinrich Schickardt 1614 erhöht und 1697 mit einem neuen Fachwerkaufsatz nebst Haube versehen. Umfassende Renovierung 2000-2002.

Sakristei
Stiftskirche - Chorfenster: Die Glasgemälde von 1929 sind teilweise schwer deutbar:

 

  1. im Ostfenster der überweltliche Christus;
  2. im Nordostfenster das Wirken Jesu;
  3. im Südostfenster sein Leiden;
  4. im Südfenster "Der Weg der christlichen Kirche"(von unten: Damaskus, Paulus mit Evangelistensymbolen, Karl d. Gr., Tod von Huß, Hl. Elisabeth, Tod von Gustav Adolf, Martin Luther zwischen einer Orgel mit dem Namen Bachs und dem Wappen von Herzog Christoph, musizierende Engel, kluge Jungfrauen, himmlisches Jerusalem);
  5. im Nordfenster "Vom Sündenfall bis zu den messianischen Weissagungen"(von unten: Austreibung aus dem Paradies, Opferung Isaaks, Mose, Verkauf Josephs, Traum Jakobs, Mose schlägt Wasser aus dem Felsen, Mose im Gebet während der Schlacht gegen die Amalekiter, Bundeslade und siebenarmiger Leuchter, Nathans Bußpredigt, David als Psalmist, Jeremia und Amos, darüber Bethlehem und Jerusalem unter dem Stern der Weissagung).


Am Hauptaltar von 1929 gegen das Schiff findet sich ein spätgotischer Kruzifixus oberschwäbischer Herkunft. Den großen Kruzifixus an der Schiffswestwand arbeitete 1695/96 Johannes Leße aus Schwäb. Gmünd. 1929 kam in den Chorschluss ein Altar nach dem Entwurf von Prof. Jakob Fehre ; sein Stipes ruht auf den Evangelistensymbolen, die Figuren von Petrus, Paulus, Johannes und Matthäus sind von 1931. Fehrle entwarf auch den Taufstein. Die auf der Westempore stehende Orgel mit 43 Registern baute 1958 Fr. Weigle.

Krypta

Krypta der Stiftskirche in Backnang

Krypta der Stiftskirche in Backnang

1. Vor der Nordwand Steinkiste für Markgraf Hermann II. (gest. 1130), auf dem Deckel der badische Wappenschild (von 1513) in Flachrelief.
      Dazu gehören:

  • Platte mit badischem Vollwappen;
  • Schriftplatte: "HAC CVBAT HERMANVS BADENSIS ..." übersetzt: "In dieser Tumba liegt Markgraf Hermann von Baden, der der Gründer dieses Klosters und Tempels war. Er starb im Jahre tausend vermehrt um hundert und dreimal zehn vom Kinde an, das die fromme Jungfrau gebar. Als er mit der Nachkommenschaft hierher übertragen wurde, waren fünfzehnhundert Jahre verflossen, dazu zehn samt dreien."

2. Vor der Westwand, Mitte, Steinkiste für Hermann III. (gest. 1160), seine Gemahlin Berta, die Mutter Judith - die Gemahlin Hermanns II. -, dazu zwei weitere Personen (laut Schrifttafel nur eine).
      Dazu gehört:

  • Platte mit badischem Vollwappen bez. 1515;
  • Schriftplatte:"FILIVS HERMANNI ..." - übersetzt: "Hier liegt der Sohn Hermanns, er ein anderer Hermann, er bestätigte und mehrte die Stiftung des Vaters. Auch seine Mutter Judintha, glaubt man, sei hier, zugleich seine Gemahlin Berta. Ein Vierter fehlt mit Namen."

3. Vor der Westwand südlich Steinkiste, nach Angabe der Bleitafel von 1513 mit den Gebeinen Hermanns VI. und Rudolfs I., die nicht hier begraben wurden, eher der als Kinder verstorbenen Söhne Hermanns II. Hermann und Rudolf. Zugehörige Platte mit badischem Vollwappen; Schrifttafel schon vor 1817 gestohlen.
4. Sarkophag für Judintha, Tochter Hermanns II. (gest. 1162 im Ruf der Heiligkeit). Stark profilierter hochromanischer Deckel mit Relief des Lammes, einen Kreuzstab haltend. Dazu gehörig Platte mit badischem Schrägbalkenschild samt Decken, gehalten von Engel. Schriftplatte 1817 gestohlen.

Kunstgegenstände in der Stiftskirche Backnang

Großer Holzkruzifixus

Großer Holzkruzifixus

Großer Holzkruzifixus
um 1695/96 von Johannes Leßle aus Schwäbisch Gmünd gearbeitet, restauriert 1982 Standort Haupteingang Schiff, Westwand.

Hauptaltar mit Kruzifixus

Hauptaltar mit Kruzifixus

Hauptaltar mit Kruzifixus von 1929
Kruzifix aus Oberschwaben, Standort zwischen Schiff und Chor (Altarraum).
Der Altar besteht aus rötlichem, deutschem Marmor und wird H. Dolmetsch zugeschrieben. Der spätgotische Kruzifixus ist oberschwäbischer Herkunft.

Der Auferstandene

Der Auferstandene

Der Auferstandene,
wird Johannes Leßle aus Schwäbisch Gmünd und dem Jahr 1695/96 zugeschrieben, Standort Südwand Altarraum gegenüber Kanzel.

Kanzelfiguren

Kanzelfiguren

Kanzelfiguren, werden Johannes Leßle aus Schwäbisch Gmünd und dem Jahr 1695/96 zugeschrieben, Standort Nordwand des Chorraumes.
Die Kanzelfiguren waren lange unbeachtet bzw. verschollen.
Aus der Barockzeit stammend, waren sie wohl 1849 für ihren neuen Standort an der Kanzel der Stiftskirche umgearbeitet und vom Backnanger Maler Engert im Gewandbereich vergoldet worden.
Die Christusfigur wurde zu dem Zeitpunkt einige Zentimeter verkürzt.
Bei der Restauration im Jahr 1982 durch Horst Walgenbach, Aichtal-Grötzingen wurde die gut erhaltene Zweitfassung der Figuren zu Grunde gelegt.
Die zur Figurengruppe gehörige sechste Figur, Johannes der Täufer, stand lange Jahre als Leihgabe im Museum Helferhaus.
In den Jahren 1998/99 werden die auf der Bühne gefundenen alten Kanzelplatten restauriert und neu gefasst (Restaurator Schairer, Schreiner Jost).
Nun können alle sechs Kanzelfiguren mit ihren ursprünglichen Holzfassungen an der Nordwand des Chorraumes aufgehängt werden.

Kunststeinaltar, Taufstein

Kunststeinaltar, Taufstein

Kunststeinaltar, Taufstein,
1929 nach dem Entwurf von Prof. Jakob Fehrle,
Standort am Chorschluss.
Sein Stipes ruht auf den Evangelistensymbolen;
von rechts nach links:
Matthäus » Mensch mit Flügeln (Engel), Markus » Löwe (Tier der Wüste), Lukas » Stier oder Ochse (Opfertier), Johannes » Adler (hoher Flug der Anbetung).
Rechts auf der Altarplatte stehen die Figuren von Paulus und Petrus, links die evangelisten Johannes und Matthäus.
Sie sind aus dem Jahr 1931.
Prof. Fehrle entwarf auch den Taufstein, er ist dreieckig als sichtbarer Ausdruck der Heiligen Dreieinigkeit.

Kunststeinaltar

Kunststeinaltar

Geschnitzter Kasten

Geschnitzter Kasten

Geschnitzter Kasten (Schrank),
um 1501, Standort Sakristei. Viertüriger Doppelschrank, erneuert, mit alten Flachschnitzereien und Schlossschilden

Neuerer Altar

Neuerer Altar

Neuerer Altar in der Sakristei
Lederantependium, um 1895, nach Entwurf H. Dolmetsch von Albert Feucht, auf dem neueren Altar in der Sakristei.
Parament: geschnitten, getrieben und gepunzt, mit Darstellungen von Psalm 42, 2-3.
Darauf ein Kreuz auf Weltkugel aus Ebenholz, 1931 von G. F. Beck gestaltet, mit Kruzifixus aus Messing vergoldet.

David

David

David, bemalte Holzfigur auf Sockel,
aus dem 16. Jh., Standort Sakristei.
Die Holzfigur war Bestandteil der alten Orgel, die um 1929 im Chorraum abgebaut wurde.

Evangelischer Beichtstuhl

Evangelischer Beichtstuhl

Evangelischer Beichtstuhl, um 1679, Standort Sakristei.
Ein Beichtstuhl, wie ihn alle größeren Kirchen des Landes besaßen, mit Aufschriften , darunter 2. Samuel 12, 13, Psalm 51, 6 und Matthäus 9,2.

David sprach zu Nathan: Ich habe gesündigt wider den Herrn. Nathan sprach zu David: So hat der Herr deine Sünde weggenommen.
(2. Samuel 12,13).

An dir allein Herr habe ich gesündigt und übel vor dir getan.
(Psalm 51,6)

Sei getrost, deine Sünden sind dir vergeben.
(Matthäus 9,2)

Nürnberger Bibel

Nürnberger Bibel

Nürnberger Bibel,
Text nach Martin Luther von 1560, Glasvitrine in der Sakristei.

Eiserne Opfergeldtruhe

Eiserne Opfergeldtruhe

Eiserne Opfergeldtruhe, Wandschrein (Tresor) um 1600, Standort Sakristei.
Ein eiserner Opferkasten mit Resten von Bemalung um 1600 (Rocailleschild um 1760), darüber an der Nordwand der Sakristei ein Wandschrein (Tresor) mit schmiedeeisernem Flügel des 16. Jahrhunderts.

Liedertafel aus Evangelischem Gesangbuch

Liedertafel aus Evangelischem Gesangbuch

Liedertafel aus Evangelischem Gesangbuch, um 1791, gefunden von Mesner Bauer an altem Regalbrett im Jahr 1981, Standort Sakristei Nordwand.

Gemälde / Nachbildung, Rubens

Gemälde / Nachbildung, Rubens

Gemälde / Nachbildung, Rubens, "Flucht nach Ägypten" Standort Sakristei Nordwand.

Romanischer Türklopfer

Romanischer Türklopfer

Romanischer Türklopfer, 12. Jahrhundert, der Türklopfer an der Sakristeitüre ist eine Kopie des noch vorhandenen Originals. Der romanische Türklopfer gilt als das älteste erhaltene Metallkunstwerk in Backnang und stammt aus dem 12. Jahrhundert.

Alte Wandmalerei

Alte Wandmalerei

Alte Wandmalerei, Herkunftsjahr unbekannt, Sakristei Westwand zum Mesnerraum.

Alte Backnanger Glocke

Alte Backnanger Glocke

Alte Backnanger Glocke, um 1739 Fundort Hoppenlaufriedhof, Stuttgart
Standort Stiftshof

 

 

 

 

 

© Ausgearbeitet und fotografiert von Hans Ritter, Backnang