"Zachäus" Musical der Backnanger Kinderkantorei

Kinder erzählen musikalisch die Geschichte um den Zöllner Zachäus: Bei der Aufführung in der Backnanger Stiftskirche.Foto: J. Fiedler

Foto: J. Fiedler

aus der Backnanger Kreiszeitung

vom 29.07.2009; Backnang & Kreis
 

Sechzig Minuten Musik, eine Minute Predigt

Kindermusical des Wichtelchors und der Kinderkantorei – 110 Kinder sangen in der Stiftskirche
 
Von Mareike Jahnle
BACKNANG. Zachäus sitzt in seiner Amtsstube in Jericho. Alles glänzt golden: sein Gewand, die Tischdecke und die Münzen, die er durch seine Hände gleiten lässt. Seinen beiden Zöllnern hat er beigebracht: Viel ist gut, mehr ist besser, noch mehr ist noch besser. Doch stimmt das wirklich? Im Familiengottesdienst der Stiftskirche gaben die 110 Kinder des Wichtelchors und der Kinderkantorei Backnang die Antwort – singend, tanzend, spielend. „Zachäus“ heißt das Musical, das die Kinder auf die Bühne bringen. In einem Dutzend Lieder erzählt es die Geschichte von Jesus und dem Zöllner. Seit Ostern probten die Vier- bis Zwölfjährigen mit Kantor Hans-Joachim Renz für ihren großen Auftritt. Im Chor, allein, im Duett oder in kleinen Gruppen singen sie so klar und deutlich, dass ein jeder das Gleichnis versteht. Es ist ihr traditionelles Abschlussmusical vor den Sommerferien.
Oberzöllner Zachäus und seine Gehilfen, allesamt gespielt von Mädchen, knöpfen jedem das Geld ab: den Bürgern und Händlern in ihren langen Gewändern, aber auch den drei Gaunern, die sich in schwarzem Jackett, dunklem Hut und Sonnenbrille an der Zollstation vorbeimogeln wollen. Der Chor singt beschwingt „Das ist nicht fair, das ist halt so“. Mit Saxofon, Querflöte, Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug sorgte die Band um Johannes Gonser für einen peppigen Sound. Egal, ob bei Pop, Swing oder Latin. Und dann kommt der kleine Jesus mit seinen Jüngern ins Spiel. Mit den beigen Tüchern auf dem Kopf sehen die Jungen und Mädchen aus, als kämen sie direkt aus der Wüste. „Mensch oder Gott, wer ist der Mann?“, fragen die Kinder im nächsten Lied. Auch Zachäus hat schon gehört von diesem Wanderprediger, der Kranke heilt und Wunder vollbringt. Er nimmt sich frei, „kompensiert Überstunden“, wie es seine Zöllner nennen, um sich diesen Jesus anzuschauen.
Die Kulissen in der Kirche sind mit so viel Liebe gestaltet, dass es den vielen Zuschauern – Groß und Klein – nicht schwerfällt, sich vorzustellen, wie das damals war. Als Zachäus Jesus zum Essen einlädt, wird aus der Zollstation unter der Kanzel kurzerhand eine Küche, inklusive gerupftem Huhn. „Ist Jesus vielleicht Vegetarier?“, fragt sich das Küchenpersonal um den italienischen Koch Luigi noch. Dann backt es Pizza für die Gäste und serviert Tiramisu mit Wunderkerzen. Ein Festessen, mitten in der Stiftskirche. „Vertrau doch auf mich“, singt Jesus für Zachäus und legt den Arm um ihn. Und er lässt es zu. Er wird berührt von Jesu Liebe, beschließt, sich zu ändern und will das Unrecht, das er getan hat, wieder gutmachen. Er greift in ein großes Glas mit Schokogoldtalern und wirft diese ins begeisterte Publikum. Die Kinder wissen und singen aus voller Kehle zusammen mit der Gemeinde: „Seit Jesus bei uns ist, ist nichts mehr wie es früher war.“ Eine Stunde Gottesdienst vergeht auf diese Weise wie im Flug. Was bleibt Pfarrer Thomas Mann da noch hinzuzufügen? Eigentlich nicht viel. Und deshalb erklärt er kurzerhand den Musicalinhalt zu seiner Predigt – was freilich im Voraus so ausgemacht worden war. „Die Kinder vergessen die Lieder so schnell nicht. Ihre Eltern werden sie den ganzen Sommer über hören“, freut sich Kantor Renz. Er spricht aus Erfahrung, auch seine Kinder sind schon länger dabei. Erst zum Schulanfang bekommen die Eltern neue Lieder zu hören. Dann beginnen die Chorproben wieder.