Barocke und romantische Klänge

Mit Hingabe meisterten die Mitwirkenden die musikalischen Herausforderungen: Beim Konzert in der Stiftskirche.Foto: A. Becher

Kantorei der Stiftskirche führte bei Weihnachtskonzert Adventskantate von Bach und Weihnachtsoratorium von Herzogenberg auf

Von Elisabeth Klaper

BACKNANG. Kantorei und Orchester der Stiftskirche sowie vier Solisten gestalteten ein stimmungsvolles Weihnachtskonzert in der Stiftskirche. Als harmonischer Klangkörper präsentierten Sänger und Musiker stilvoll die Adventskantate „Schwingt freudig euch empor“ von Johann Sebastian Bach und das Weihnachtsoratorium „Die Geburt Christi“ von Heinrich von Herzogenberg.

Die Kantate für den ersten Advent (Bach-Werke-Verzeichnis 36) erinnert in kunstvoller Melodieführung, Harmonik und schwungvollen Rhythmen ans berühmte Weihnachtsoratorium. Mit Bravour und Hingabe meisterten die Mitwirkenden unter der Leitung von Bezirkskantor Hans-Joachim Renz die Herausforderungen des Werks. Eindrucksvoll zeigten die Sänger der Kantorei ihr Können im Eingangschor „Schwingt freudig euch empor“.

Darin symbolisierte Bach das Schwingen mit virtuosen Koloraturen, komplizierten Läufen und chromatischen Intervallen in allen Chorstimmen, dazu spielten Oboen und Violinen Ketten aus Triolenfigurationen.

Mit klangvollen Stimmen, die sich kunstvoll ineinander verflochten, gestalteten die Solistinnen Lydia Zborschil (Sopran) und Anne Greiling (Alt) feinsinnig den Choral zur ersten Strophe von Martin Luthers Adventslied „Nun komm, der Heiden Heiland“.

Tenor Bernhard Schneider überzeugte überdies mit glockenheller Stimme und erreichte mühelos höchste Töne. Strahlend schön erschallte Thomas Scharrs variable Bassstimme in der beschwingten Arie „Willkommen, werter Schatz“. Feierlich intonierte der Chor die Choräle, wie die von Bach integrierte letzte Strophe des Liedes „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ und die letzte Strophe aus „Nun komm, der Heiden Heiland“ zum Abschluss. Mit anmutigen kurzen Instrumentalstücken bereicherte das Orchester die Gesangspartien.

Ein großer Hörgenuss war Heinrich von Herzogenbergs (1843 bis 1900) Oratorium „Die Geburt Christi“ opus 90, in dem er etliche bekannte Weihnachtslieder verarbeitete. Die Komposition zeichnet sich aus durch reizvolle stilistische Wechsel zwischen spätromantisch klangfarbenreichen und feierlich-prachtvollen Stücken, die stark von der Barockmusik inspiriert sind. Den Texten von Friedrich Spitta liegen Psalmworte und die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium zugrunde.

Das Oratorium umfasst drei Teile, die Verheißung der Geburt des Messias, die Erfüllung mit der Verkündigung und Geburt des Jesuskindes sowie die Anbetung des Gottessohnes. In der Verheißung intonierte der Männerchor mit Verve Prophetenworte in spätromantisch reich ausgeschmückten Melodiebögen. In der Erfüllung verzauberte die innige Verkündigungsszene mit einfühlsam gestaltetem Dialog zwischen Altistin Anne Greiling als Engel Gabriel und Sopranistin Lydia Zborschil als Maria.

Bassist Thomas Scharr und Sopranistin Lydia Zborschil trugen in innigem Duett das Lied „Joseph, lieber Joseph mein“ vor. Als berichtender Evangelist lief Tenor Bernhard Schneider zur Hochform auf. Die Verkündigung an die Hirten vergegenwärtigten klangmalerisch imposante Darstellungen der Erscheinung der Engelscharen und des Lichts durch das Orchester. In barocker Tonsprache und mit Echoeffekten präsentierte die Kantorei den Chor der Engel „Ehre sei Gott in der Höhe“.

In der Anbetung brachten die Mitwirkenden die große Freude über die Geburt des Heilands zum Ausdruck. So in der entzückenden Hirtenmusik des Orchesters und im von den Frauenstimmen gesungenen Kinderchor „Kommt und lasst uns Christum ehren“ nach der bekannten Melodie „Den die Hirten lobeten sehre“ von Michael Praetorius. Ebenso im schwungvoll vom Chor dargebotenen „Kommet, ihr Hirten“ und im wiegenden „Nun singet und seid froh“, vom Solistenquartett im Wechsel mit dem Chor vorgetragen.

In den dreiteilig aufgebauten Choral- und Chorsätzen verbanden sich klare, durchsichtige Linienführungen der Stimmen mit kunstvollen polyphonen Geflechten und vielschichtiger Instrumentierung zu einem facettenreichen Klangpanorama.

Eine Besonderheit des Oratoriums waren die gemeinsam von Chor und Gemeinde gesungenen Choräle zu bekannten Weihnachtsliedermelodien als Brücke zwischen den Mitwirkenden und den zahlreichen Zuhörern in der Stiftskirche. Diese dankten allen Sängern und Musikern mit lautstarkem, lang anhaltendem Applaus für die niveauvollen, klangschönen Aufführungen.

Artikel aus der Backnanger Kreiszeitung vom 16.12.2014
www.bkz-online.de/node/802506