Passionskonzert 2014

Foto: A. Becher

Berührender Gesang und kraftvolle Orgel

Passionskonzert als beeindruckendes Erlebnis Nystedts Komposition Die sieben Worte Jesu bildete großartigen Mittelpunkt

Vier- bis achtstimmige Motetten, zwei großartige Orgelwerke und zu Herzen gehende Worte: Das Passionskonzert der Kantorei in der vollbesetzten Stiftskirche wurde wieder zu einem beeindruckenden und berührenden Gesamterlebnis. Den großartigen Mittel- und Höhepunkt bildete Knut Nystedts Opus 171 Die sieben Worte Jesu am Kreuz.

Wirkt auch noch in nachösterlicher Zeit: Die Kantorei der Stiftskirche unter Leitung von Hans-Joachim Renz führte das Passionskonzert auf. Das Publikum war sehr ergriffen.Foto: A. Becher

BACKNANG. Christus, der uns selig macht. Mit dieser Motette fand die Kantorei der Stiftskirche unter Leitung von Bezirkskantor Hans-Joachim Renz gleich einen aussagekräftigen musikalischen Auftakt, nachdem sich vor Beginn des Passionskonzerts auch die oberste Empore der Stiftskirche mit Menschen gefüllt hatte und langsam Ruhe in das Gotteshaus eingekehrt war. Nicht weniger beeindruckend folgte der Praetorius-Komposition das etwas jüngere Crucifixus etiam pro nobis des Italieners Antonio Lotti sowie ein berührend-getragenes Agnus Dei, in dem dessen Schöpfer Max Reger das Lamm Gottes, unschuldig am Kreuz geschlachtet sehr eindrucksvoll verarbeitet hat. Ergriffen lauschten die Zuhörer ebenso Felix Mendelssohn Bartholdys teils stimmgewaltigem In der Passionszeit, dem wenig später aus demselben Opus Am Karfreitag folgen sollte - zufällig just zum passenden Geläut der nahen Betglocke.

Dazwischen sorgte Johann Sebastian Bachs bombastische und dramatische Fantasie in g-Moll (BWV 542) indes für eine akustische Abwechslung. Wie die anschließende Fuge von Viktor Soos bis zur letzten Note meisterhaft interpretiert, stockte einem beim Spiel des 1. Preisträgers des Bundeswettbewerbs Jugend musiziert wahrlich manchmal der Atem. Auch Josef Rheinbergers Sonate c-Moll, dem zweiten Orgelwerk, welches auf der Stiftskirchenorgel durch die Hand des Absolventen der kirchlichen C-Ausbildung Jacob Fuchs ebenso famos erklang, bildete einen wohl gewählten musikalischen Akzent, welcher nach einem kräftigen Präludium sowie einem wohltuend besinnlich getragenen Andante in einem wiederum stürmischen Finale endete.

Anton Bruckners schönes und von tiefer Frömmigkeit geprägtes Vexilla regis sowie Johann Ludwig Bachs Motette Das Blut Jesu Christi, in dem die Freude über die damit verbundene Zusage der Sündenvergebung klar zum Ausdruck kommt, bildeten vor Albert Beckers auch thematisch abschließendem Ich bin die Auferstehung schließlich letzte Akzente.

Mittelpunkt und Höhepunkt des Konzerts war aber Knut Nystedts Werk Die sieben Worte Jesu am Kreuz. Zweifellos eine Herausforderung, die leicht auch hätte schief gehen können. Bezirkskantor Renz und die Sänger und Sängerinnen der Kantorei meisterten diese jedoch großartig. So wurde die erst 2003 geschaffene Vertonung des 1915 geborenen Komponisten, in welcher der Norweger eben jene letzten Worte Jesu auch in ihrem Kontext je nach Inhalt dringlich bittend, ruhig-gelassen, prophetisch aufmunternd, leidend, glaubenssicher oder vertrauensvoll darzustellen und umzusetzen vermochte, zu einem wahrhaften Erlebnis. Eindrücklicher hätte man den Tod am Kreuz und das aushauchende Leben kaum in Noten fassen können. Eindrucksvoll und erschütternd, schwer sind Worte hierfür zu finden. In der Kirche jedenfalls war Totenstille eingekehrt.

Mit Lesung aus dem Philipperbrief, Rezitation des Liedes EKG 428 Komm in unsre stolze Welt sowie einem bewegenden Passionsgebet fand Dekan Wilfried Braun dazu in der Liturgie des Karfreitages genau die richtigen und angemessenen Worte. Aus all diesen Komponenten wurde das Passionskonzert somit zu einem berührenden und beeindruckenden Gesamterlebnis, welches mit Sicherheit bei allen, die es hören und erleben durften, auch in nachösterlicher Zeit wirken und in Erinnerung bleiben wird.

 


Artikel aus der Backnanger Kreiszeitung vom 22.04.2014    Backnang & Kreis

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