"Messiah" von Georg Friedrich Händel

Dirigent Hans-Joachim Renz führte Chor und Orchester mit sicherer Hand auch durch die schwierigen Parts des Oratoriums: Bei der Aufführung des "Messiah" von Georg Friedrich Händel in der voll besetzten Backnanger Stiftskirche.Foto: A. Wahl

Foto: A. Wahl

aus der Backnanger Kreiszeitung

vom, 16.12. 2009, Kultur

Verherrlichung Christi in herrlichen Klängen

Stehende Ovationen nach der Aufführung von Händels „Messiah“ für die Kantorei der Stiftskirche, das collegium musicum und die Solisten
Andernorts ist es für das Publikum normal, während des „Halleluja“ in Händels „Messiah“ am Ende des zweiten Teils aufzustehen. In Backnang erheben sich die Zuhörer in der Stiftskirche am Ende des Konzerts unter Leitung von Hans-Joachim Renz . Standing Ovations, die gibt es nicht so häufig in Backnangs Konzertsälen oder Gotteshäusern.

 
Von Ingrid Knack
BACKNANG. Der letzte Ton ist verklungen. Auf das „Amen“ folgt eine kleine Pause – und dann erklingt die Kirchenglocke, was allerdings Geschmacksache ist. Für die einen vertieft der Glockenklang noch die Ergriffenheit, andere hätten sich eine ergreifende, fast absolute Stille allein mit dem Nachhall des „Amen“ in den Ohren gewünscht.
Wie dem auch sei: Am Ende gibt es einen überwältigenden Beifall für Hans-Joachim Renz und seine Mitstreiter. Die ganze Anspannung der letzten Stunden oder gar Tage, Wochen, Monate scheint vom einen Moment auf den anderen von ihnen abzufallen. Das Lächeln der Sänger und Instrumentalisten wird angesichts der großartigen Resonanz immer breiter. Die Mitwirkenden haben sich diese Ovationen auch redlich verdient.
Im „Messiah“ wird die christliche Heilsgeschichte in drei Akten erzählt: Von den alttestamentarischen Prophezeiungen Jesajas bis hin zum Ausblick auf die Wiederkehr Christi am Jüngsten Tag. So umfassend das Thema, so breit gefächert die musikalische Ausgestaltung. Bei dem Werk, das 1742 in Dublin uraufgeführt wurde, spielen sowohl englische, italienische als auch deutsche Traditionen mit. Es finden sich neben den Chören und Instrumentalparts Rezitative und Arien, zudem wird’s zuweilen opernhaft. Renz hat sich für die englische Fassung entschieden. Zu den originalen englischen Bibeltexten von Charles Jennens ist im Programmheft die deutsche Übersetzung abgedruckt. Vom ersten bis zum letzten Ton liefern die Musiker eine packende Aufführung ab. Auch die schwierigen schnellen Chor-Passagen und den technisch nicht einfachen Orchester-Part bewältigen sie mit beeindruckender Souveränität. Zudem gelingt es Renz, seine rund 70 Chorsänger so zu dirigieren, dass sie nicht zu einer zähen Masse verschmelzen, sondern mal leichtfüßig, mal majestätisch daherkommen, aber nie allzu dick auftragen. Schön herausgearbeitet die Dynamik, sauber die Einsätze.
Einfühlsam begleitete das collegium musicum aus Stuttgart auf historischen Instrumenten die Kantorei der Stiftskirche – vom zartesten Pianissimo bis hin zu den Händel-typischen erhabenen Klängen. Wunderschön gespielt auch die „Pifa“, die Hirtenmusik im ersten Teil.
Wohlklingend ist der Tenor von Alexander Efanov, klar der Bass von Steffen Balbach. Maren Jacobs Stimme (Sopran) ist ein schlankes Timbre eigen, ab und an wünschte man sich einen Hauch weniger Schlichtheit und mehr Wärme. Theatralisch wird mitunter der Auftritt des Countertenors Daniel Gloger, der die Altstimme übernimmt, praktisch nie in seine Partitur schaut und mit Leidenschaft „spielt“, was er singt.
Es gibt viele Höhepunkte bei diesem Oratorium, dessen Resümee ein positives ist, was während der ganzen Aufführung gegenwärtig zu sein scheint: Es geht um die Verherrlichung des Messias. Strahlend die Chöre „For unto us a child is born“ oder „Glory to God in the highest...“. Absoluter Höhepunkt aber ist das „Halleluja“. Vielleicht wird’s ja auch hierzulande einmal üblich, dabei aufzustehen und vielleicht sogar mitzusingen.