Breites dynamisches Spektrum wurde aufgefächert

Vokal- und Orgelmusik mit der Stiftskantorei unter Leitung von Hans-Joachim Renz – Rundum gelungenes Kirchenkonzert

Anspruchsvolle Vokal- und Orgelmusik war in der Stiftskirche zu hören, Bezirkskantor Hans-Joachim Renz als Organist und Chorleiter sowie seine Kantorei boten ein rundum gelungenes Kirchenkonzert. Zwei Wochen zuvor traten die Backnanger schon in ihrer französischen Partnerstadt Annonay auf.

Wurden bestens von ihrem Dirigenten Hans-Joachim Renz auf die Konzerte in Annonay und Backnang vorbereitet: Sänger der Stiftskirchenkantorei.Foto: J. Fiedler

Von Christoph Rothfuss

BACKNANG. Den Anfang machen die Fest- und Gedenksprüche opus 109 von Johannes Brahms. Dieses Werk ist doppelchörig und sehr hoch, eine willkommene Herausforderung für die Sänger der Stiftskantorei, die wieder einmal perfekt von Hans-Joachim Renz präpariert worden waren. Die Musik ist sehr gespannt und sehr dicht, man genießt nicht zuletzt die immer wieder eingestreuten Ruhepunkte. Die Stiftskirchen-Kantorei fächert ein breites dynamisches Spektrum auf.

Es folgt ein Werk aus dem zwanzigsten Jahrhundert: „Singet dem Herrn“ opus 12,1 von Hugo Distler, achtstimmig! Die Kantorei agiert sehr schwungvoll, Distler arbeitet mit ostinaten Motiven. Der Text aus Psalm 98 wird beim Konzert sehr plastisch vermittelt.

Johann Sebastian Bachs „Toccata, Adagio und Fuge“ C-Dur BWV 564 für Orgel beginnt suchend und fragend, verspielte Tongirlanden werden von einem Orgelpunkt grundiert, bevor das Pedal solistisch auftrumpft. Das Adagio ist ein tief verinnerlichter Gesang, Renz präsentiert die abschließende Fuge übermütig und unbeschwert. Dann der Höhepunkt des Konzertabends in der Stiftskirche: die berühmte Motette „Jesu, meine Freude“ BWV 564, ebenfalls von Bach. Die Choralstrophen, von der Kantorei je nach Text sehr ausdrucksvoll gesungen, bilden das Gerüst, dazwischen stehen musikalisch-theologische Reflexionen, die teils dramatisch („Trotz dem alten Drachen, trotz des Todes Rachen“) und teils sehr ruhig sind („So aber Christus in euch ist“). Die Musik ist dermaßen reich an Nuancen und in ihrer persönlichen Glaubensaussage immer ehrlich, nie verharmlosend – toll.

Passend dazu spielte Hans-Joachim Renz die im Jahre 2004 entstandene Choralpartita „Jesu, meine Freude“ von Günther Martin Göttsche. Die Klangsprache hat etwas Archaisches, Renz lässt die Stiftskirchenorgel in sehr reizvollen Registerkombinationen brillieren.

Das sechsstimmige „Lobet den Herrn“ von Knut Nystedt gerät in seiner Geschlossenheit ausdrucksstark, rhythmische Unterstützung inklusive.

Es ist schon fast eine Tradition, dass die Sänger der Backnanger Stiftskirchenkantorei ihr letztes Stück aus dem Chorraum der Kirche singen, dieses Mal hatten sie dafür das fünfstimmige „Die Nacht ist kommen“ opus 138,3 von Max Reger ausgewählt. Herrlich entrückte Klänge, ein beruhigender und beschwichtigender Abschluss.

Die Zuhörer in der voll besetzt gefüllten Backnanger Stiftskirche applaudierten begeistert, ein Konzert mit Tiefgang und hohem theologischen und musikalischen Nährwert.

 

aus der BKZ vom 05.07.2013