Kirchenmusik mit hohem Spaßfaktor

Ist selbst kaum zu bremsen, wenn es darum geht, andere zum Singen zu motivieren: Hans-Joachim Renz mit seinen „Gospel Voices“.Foto: A. Becher

Zwei Gospelchöre sorgen für viel Emotion in der Stiftskirche – Der Erlös wird für Renovierung des Gotteshauses verwendet

Gänsehautstimmung im 900 Jahre alten Gemäuer und der Drang, mitzutanzen und zu klatschen, wechseln sich häufig ab an diesem Abend. Die Backnanger Stiftskirche ist so voll, wie sonst wahrscheinlich nur an hohen Feiertagen. Die Gospelchöre „Gospel Voices“ und „The Gospel House“ treten auf.
Ist selbst kaum zu bremsen, wenn es darum geht, andere zum Singen zu motivieren: Hans-Joachim Renz mit seinen „Gospel Voices“.Foto: A. Becher
Ist selbst kaum zu bremsen, wenn es darum geht, andere zum Singen zu motivieren: Hans-Joachim Renz mit seinen „Gospel Voices“.Foto: A. Becher
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Aus der Backnanger Kreiszeitung vom 16.03.2016

Von Melinda Schachinger

BACKNANG. Das Chorgewölbe ist bunt ausgeleuchtet, die Sitzbänke liegen im Dunkeln. Der Anlass für diesen nicht unbedingt typischen Abend in der Kirche ist ein Gospelevent, zu welchem die Veranstalter zwei Chöre aus der Region eingeladen haben: Die „Gospel Voices“ aus Backnang und „The Gospel House“ aus Winnenden.

Die pure Masse der anwesenden Musiker ist schon für sich beeindruckend: Vier Dutzend Sänger stehen im Wechsel auf der Treppe vor dem Publikum, dazu kommt noch die Band, die sich mit Gitarre, Bass, Piano, Schlagzeug und Saxofon seitlich eingerichtet hat. Hinter den Künstlern hängt eine Leinwand, auf der entweder der Text zum Mitsingen oder oft auch die deutsche Übersetzung zu den überwiegend englischen Liedtexten steht. Der Gospelmusik entsprechend, die das Evangelium verbreiten soll, sind die Texte oft nachdenklich und/oder fröhlich und voller Gotteslob.

Dass Kirchenmusik so richtig Spaß machen kann, beweisen zuerst die „Gospel Voices“, die unter Leitung des Backnanger Bezirkskantors Hans-Joachim Renz proben. Die in Schwarz- und Rottönen gekleidete Gruppe, in der besonders viele junge Leute sind, bringt die Zuhörer erst einmal mit ein paar flotten Songs in Stimmung.

„The Gospel House“ aus Winnenden, angeleitet von Friedlinde Vollmar, sorgt im Anschluss mit ein paar ruhigeren, mit eindrucksvollen Stimmen vorgetragenen Songs für beeindruckende Stille im ganzen Raum. Die Pause nach dem ersten Teil nutzt Dekan Wilfried Braun für etwas inhaltlichen Input.

Statt Eintritt zu verlangen, bitten die Veranstalter die Gäste bei den Gospelevents um eine Spende für einen guten Zweck – dieses Mal ist es die Stiftskirchenrenovierung. Auf die Frage, ob man denn befürchten müsse, dass die Decke irgendwann herunterkommt, verweist Braun auf einen tatsächlich bestehenden Riss im Mauerwerk. Dass ausgerechnet in diesem Moment die automatisch wechselnde Beleuchtung theatralisch auf Dunkel schwenkt, sorgt für Erheiterung. Wieder richtig ausgeleuchtet berichtet Braun über den aktuellen Stand des Projektes. Da viel gemacht werden muss, kommt eine ganz schön große Summe zusammen: Über drei Millionen Euro sind veranschlagt.

Ergreifende Darbietungen,

bewegende Botschaft

Dank Zuschüssen aus Stadt, Land und Bund, wobei bei Letzterem die Backnanger Stiftskirche gar als Denkmal von nationalem Rang gewertet wurde, kam schon Einiges zusammen. Und auch die Landeskirche und der Kirchenbezirk Backnang beteiligen sich kräftig an der Aktion. Dennoch bleibt ein auf den ersten Blick unerreichbar scheinender Batzen an der Kirchengemeinde hängen, nämlich etwa 900000 Euro.

Entgegen aller Befürchtungen kam durch das überwältigende Engagement der Backnanger Bürger inzwischen schon etwa die Hälfte zusammen. Und vermutlich darf die Stiftskirche nach diesem tollen Gospelabend, der nach der kurzen Pause direkt mit weiteren eindrucksvollen Titeln weitergeht, dank der begeisterten Besucher wieder einen Schritt vorwärts auf dem Weg zum Ziel verbuchen – und es somit auch kommenden Generationen ermöglichen, solche Veranstaltungen in dieser angemessenen Umgebung erleben zu können.