Gospelkonzert 2012

aus der Backnanger Kreiszeitung; Kultur 19.05.2012

Mitreißende Rhythmen


Gospelkonzert sorgte an Himmelfahrt für proppenvolle Stiftskirche – Drei Chöre fanden zum musikalischen Highlight zusammen

Gleich drei Chöre schlossen sich am Himmelfahrtstag in der Backnanger Stiftskirche zu einem Gospelkonzert der Spitzenklasse zusammen: Neben dem Gospelchor Oppenweiler und der Jugendkantorei Backnang sorgte auch wieder ein eigens gebildeter Projektchor für einen musikalischen Hochgenuss. Mit Traditionals, Spirituals und afrikanischen Songs.

Von Mathias Klink

BACKNANG. Strömende Menschenmassen und ein Verkehrschaos kündigten es bereits an: Das Konzert wird voll werden. In der Stiftskirche wurde diese Ahnung dann vollauf bestätigt. „Ruff ond naa“ und „romm ond nomm“ suchten die Besucher schon lange vor Konzertbeginn krampfhaft, irgendwo noch einen Sitzplatz zu ergattern. „Des hört net uff“, konstatierte da eine Frau angesichts des fast unglaublichen Zustroms. Und um drei viertel sieben waren sogar schon die Stiegen der Emporen belegt.

Unter Musik und Klatschen zogen die drei Chöre ein und versetzten das Publikum gleich in die richtige Laune. Denn bereits mit dem ersten Lied „Come on into the house“ legten die farbenfroh gekleideten Sänger und Sängerinnen so richtig los. Gefolgt von der applausbegleiteten Begrüßung und Anmoderation der Beteiligten durch Kantor Hans-Joachim Renz. Seiner Betonung, wie viel Spaß den Mitwirkenden die Konzertproben gebracht hatten, bedurfte es keiner weiteren Erläuterung. Denn die Freude am Singen und Musizieren war den Akteuren voll und ganz anzumerken. Der Lobpreis der Chöre „Come, let us sing“ wurde sogar unter Einbeziehung der Männer(stimmen) und Frauen(stimmen) des Publikums praktiziert. Ob ausgesprochener Gospelfreund oder nicht – spätestens hier konnte sich der Stimmung des Abends niemand mehr entziehen.

Mit „Anatupenda“, einem Tanz aus Jamaika, nahm wirkungsvoll und trommelgeführt die Jugendkantorei Aufstellung. Köpfe und Füße der Zuhörer wippten dabei im Takt mit. Nach dem getragenen „We can move mountains“ sorgte das melodische „The only one“ ebenso für jubelnden Applaus, bevor mit dem flotten „The Lord has called us“ dieser Musikblock abgeschlossen wurde. „Bless the Lord o my soul“ bot der Gospelchor Oppenweiler unter Leitung von Jochen Ferber zusammen mit der Band einen ebenso schwungvollen Auftakt. Sehr feinfühlig vorgetragen, folgte das immer wieder ergreifende und von den Zuhörern sichtlich genossene „Amazing Grace“. Einfach und schön das afrikanische A-capella-Lied „Nkosi sikelel“, welches genau wie das „für die Mutter“ entstandene und mit Trommelbegleitung vorgetragene „Mamalyie“ mit stürmischem Beifall belohnt wurde.

Vier Stücke des Projektchors, in denen der Hamburger Musicalsänger Jens Simon Petersen abermals als Solist brillierte, sorgten nicht minder für Begeisterung. Hüpfte sich Chorleiter Renz bei „Glorious“ fast in Ekstase, stimmten beim populären „Joshua fit the battle“ viele Stimmen aus den Reihen der Zuhörer ungeniert ein.

Bejubelt wurde ebenso „That’s why I sing“, bevor unter Klängen der Gospel-Brothers, welche als andere Formation der angekündigten Christoph-Gärtner-Group für die musikalische Begleitung sorgten, sich alle drei Chöre noch mal zum grandiosen Finale unter dem Chorbogen der Stiftskirche zusammenfanden. Im „We did not come“ kam deren geballte Stimmgewalt dann auch noch einmal prächtig zum Ausdruck, bevor Chorleiter Renz – inzwischen mit patschnassem Hemd – mit einem netten G’schichtle liebenswürdig um einen Spendenbeitrag zur Finanzierung der Unkosten bat.

Mit „Amen“ unter reger und begeisterter Beteiligung der Zuhörer fand das Konzert schließlich ein passendes offizielles Ende.

Kein Wunder, dass Jubel und lang anhaltender Applaus folgten. Doch nicht nur die Solisten wurden mit Ovationen und Blumen belohnt; der Dank vonseiten der Chöre galt auch Hans-Joachim Renz. Nicht nur für die musikalische Führung, wie dabei betont wurde, sondern auch für die Übermittlung der im Konzert enthaltenen Botschaft. „Come, let us sing“, diese Aufforderung ließ sich als Zugabe niemand zweimal sagen. Durch die versetzte Aufstellung der Chöre besonders wirkungsvoll inszeniert, bildete das Segenslied „The Irish Blessing“ an diesem Feiertag Christi Himmelfahrt einen besonders würdevollen und ergreifenden Abschluss.