Chorkonzert der Kirchenchöre

aus der Backnanger Kreiszeitung vom, 16. November 2010


Viele Sänger, eine gemeinsame Aussage


Konzert zum Abschluss des Bezirkschortreffens unter Leitung von Hans-Joachim Renz in der Stiftskirche
Wenn sich Sänger aus zehn Chören unter der Leitung von Bezirkskantor Hans-Joachim Renz zusammenfinden, steht ein musikalisches Großereignis ins Haus. So geschehen beim Chorkonzert zum Abschluss des Bezirkschortreffens in der Backnanger Stiftskirche.

 
Von Christoph Rothfuss
BACKNANG. Eröffnet wurde der Abend allerdings von der Orgel: der junge Viktor Soos lieferte eine blitzsaubere Interpretation des Präludiums e-Moll von Nikolaus Bruhns (1665 bis 1697). Er entschied sich für eine dezente zurückhaltende Registrierung, meisterte Passagen mit feinen Echowirkungen und die fugierten Abschnitte mühelos.
Ein erhebendes Gefühl ist es, mitzuerleben, wie die ganze voll besetzte Stiftskirche wie aus einem Mund singt; kaum ein Choral ist dafür geeigneter als „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Nach einer Lesung (Psalm 96) war dann der Chor an der Reihe. Beeindruckend, wie es Hans-Joachim Renz gelingt, die weit über hundert Sänger zu einem homogenen Klangkörper zu formen. Und diese hatten spürbar Freude an ihrem Musizieren, ist doch das Singen in einem so großen Kollektiv ein faszinierendes Erlebnis. Das erste Stück war das spätromantische „Preis und Anbetung“ von Josef Gabriel Rheinberger (1839 bis 1901). Zu einer routiniert sicheren Intonation trat hier eine fürs Publikum angenehme präzise Textaussprache.
„Wie lieblich sind deine Wohnungen“ von Johannes Brahms (1833 bis 1897) ist ein Ohrenschmaus der besonderen Art: Hier finden sich harmonisch reizvolle Wendungen allerorten und eine einfühlsame Orgelbegleitung von Sieglinde Krauter. Nun erklang das „Locus iste“ von Anton Bruckner (1824 bis 1896), bei dem der Chor eine große dynamische Spannbreite demonstrierte. Das Dirigat von Hans-Joachim Renz ist stets überaus engagiert, mit ausladenden Bewegungen bringt er die so zahlreichen Sänger unter einen musikalischen Hut und zu einer gemeinsamen Aussage. Ein für die Zuhörer wundervolles Wechselspiel zwischen Orgel (wiederum Sieglinde Krauter) und Chor bot das „O Jesu Christe, wahres Licht“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847). Weiter ging es mit Mendelssohn und dem hochtalentierten Nachwuchsorganisten Viktor Soos. Dieser spielte die Sonate Nr. 2 c-Moll, ein Werk, dessen musikalische Aussage gebündelt und dicht konzentriert erscheint. Auf engstem Raum bildet Mendelssohn drei Charaktere ab: So ist der erste Satz gravitätisch, der zweite überaus zart, und der dritte Satz schreitet frohgemut aus. Soos zeichnet diese Stimmungswechsel adäquat nach, gibt jedem der drei Charakterbilder einen angemessenen Platz.
Nach einer humorvollen Lesung von Pfarrer Altenmüller aus Großaspach durfte Viktor Soos noch einmal ran. Er interpretierte die Fuge g-Moll BWV 578 von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) in einem leidenschaftlich bewegten Tempo und behielt dennoch einen kühlen Kopf, sodass er jeden neuen Stimmeinsatz transparent und gut hörbar machte. Eine erstaunliche Leistung dieses jungen Musikers!
Nun folgte wieder der Chor mit „Du bist ja doch der Herr“ von Moritz Hauptmann (1792 bis 1868). Aus einem Unisono-Beginn blüht dieser Satz zur Mehrstimmigkeit auf, eine Entwicklung, die der Bezirkschor lebhaft nachvollzog. Anschließend standen noch einmal zwei gemeinsame Lieder auf dem Programm: „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ und „Der Mond ist aufgegangen“; es ist ein einmaliges Erlebnis im Wechsel oder auch gemeinsam mit einem solchen Mammutchor zu singen. Dazwischen erklang von Markus Pytlik (*1966) „Wenn ich alle Sprachen“, ein Lied im Popstil, das die Liebe als höchste aller Geistesgaben besingt (1. Kor. 13).
Nach Gebet und Segen klang der Konzertabend mit Mendelssohn aus. Sein „Verleih uns Frieden gnädiglich“ weist eine eingängige Melodie auf, die zunächst nur von den Männern, dann von den Frauen und schlussendlich gemeinsam vorgetragen wird.
Ein bereicherndes, beglückendes Konzerterlebnis, das in dieser Form nur selten zu genießen ist.